Konflikt-Wert-Schätzung

Der erste Teil meines Masterstudiums in Frieden- und Konflikttransformation liegt hinter mir.

Mit diesem ersten Teil meine ich all die aufregenden, intensiven, gefühlsreichen und unvorhersehbaren Präsenzphasen in Innsbruck, in denen ich jedes Semester 2 Monate gemeinsam mit Studierenden aus den unterschiedlichsten Orten der Welt verbracht habe. Jetzt folgt der vermutlich nicht weniger aufregende und doch zunächst langweilig und trocken wirkende Part: Masterarbeit schreiben. 150 leere Seiten wollen gefüllt werden und mit ihnen viele neue Aspekte in meinem Kopf, Herz und Körper.

Der Rückblick auf die gemeinsam erlebte Zeit mit den anderen Studierenden holt mich immer wieder ein…und macht den Neubeginn nicht immer leicht.

Denn ja, es war aufregend so viel Zeit zusammen zu verbringen. Die Zimmer zu teilen. Schlaflose Nächte im Militär. Unzählige Umarmungen. Ein Hubschrauberflug. Genervtheit. Glücksgefühle. Tränen. Gemeinsam zu tanzen. Sich alleine zu fühlen in der Gruppe.

Die Intensität des Nicht-Entkommen-Könnens. Aus der Gruppe. Den eigenen Erfahrungen. Sich selbst.
Diese Intensität nicht nur auszuhalten, sondern darin einzutauchen, um das eigene Sein, Konflikte, das In-Kontakt & Beziehung-Sein und auch Alleine-fühlen, wirklich wahrzunehmen. Die Intensität von inneren Themen, die wie Samen aufbrechen und es zunächst unmöglich erscheint sie jemals zum Blühen zu bringen.

Gefühle! Ein wahrer Reichtum der Gefühle beschenkte mich während der unterschiedlichsten Phasen in diesen Wochen. Von Traurigkeit, Ärger, Wut, Ausgelassenheit, Zuneigung, Eifersucht, Langeweile, Hilflosigkeit bis hin zu tiefster Freude regten sich in und um mich herum das wahrste Karussell der Gefühlsregungen. Manchmal zeigten sie sich deutlich im Außen. Das ein oder andere Mal war es vielmehr ein inneres Ringen damit.

Trotz der drei Male, die ich in Innsbruck verbrachte, war jedes Semester ein Unvorhersehbares, das sich ständig wandelte und mit neuem Kleide zeigte. Schlussendlich war es auch immer das, was jeder Einzelne daraus zu machen wagte.

Mein Leben hat sich damit auf den Kopf gestellt. Eine Veränderung, die nicht abgeschlossen ist und es wohl niemals sein wird. Ein Finden, Verlieren, Neu-Definieren zwischen gewohnten Mustern und neuem Sein.

Früher und vielleicht auch immer wieder heute, war ich die, die Konflikten aus dem Weg ging. Im Studium habe ich entdeckt, dass dieses Aus-dem-Weg-gehen im Grunde niemals möglich ist. Denn der Konflikt wird sich nicht verabschieden oder in Luft auflösen durch das Ignorieren oder Wegdrücken. Er lebt weiter in mir oder spiegelt sich in anderen Begegnungen wider. Ich selbst bin im Konflikt.  Warum also ist es so schwer, auszusprechen, was im Innersten auf der Seele liegt oder wir brauchen, um mit dem Anderen weitergehen zu können?

Oft spüre ich ihn diesen Kropf im Hals, der mir nicht erlaubt, hinauszulassen, was sich da hinausdrängt.

Die Angst vor dem kratzigen Gefühl zwischen mir und anderen. Der Klarheit, die gefordert wird. Für Augenblicke, nur für sich selbst einstehen zu müssen, da der andere nicht der gleichen Meinung ist.

Der Druck im Herz.

Das Gefühl des Getrenntseins.

Muster, die in mir und anderen hochkommen. Kommunikationslosigkeit. Oder vielzuviel Kommunikation.

Es ist ein Weg des Übens. Des Vertrauens in sich selbst und die, das Gegenüber. Den sicheren Raum zu spüren oder ihn für sich selbst zu schaffen. Zu wagen dem Konflikt und damit auch sich selbst und den Andere in die Augen zu gucken. Zu Atmen. Zu Lachen. Zu Fühlen.

Dann müssen wir auch Konflikten nicht mehr lösen, sondern können uns mit ihnen im Leben verbinden, sodass die Wandlung auch innerlich geschehen kann.

In meiner neuen Arbeit zeigt sich gerade ein Konflikt. Früher wäre ich möglichst lange darum herum getanzt oder eilig weggelaufen….Und ja, es fällt mir nicht leicht, eine klare Position zu beziehen. Dennoch freut sich mein Herz über diese Chance in neue Kontakte mit meinen Kollegen zu treten.

Konflikte
nicht lös-
aber
kommunizierbar
darüber sprechen
zeigen
und wahrnehmen
was
für dich
Da
ist

 

Seh- und fühlbar
werden
lassen
was
sich innerlich
geformt
hat

 

sich trauen
dem raum
zu geben
was
im
Innersten
weint
oder auch
brodelt

 

Vertrauter Raum
der
ermöglicht
Wahrheiten
auszusprechen
Und
dennoch
bleibt das
Risiko
dabei

 

Küss
seine
Hand!
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