In Beziehung sein

Wie nah kann ich mir selbst sein?

Wie nah kannst du dir selbst sein?

Ich habe das Gefühl die letzten Monate war ich mir selbst in vielen Punkten so nah und ehrlich gegenübertretend wie lange nicht mehr. Zugleich gab es Momente, wo ich eine Entfernung spürte, die mich mich selbst gar nicht mehr greifen ließ.

Am Wochenende war ich auf einem Seminar, wo mich die Aussage „Wie intim du in Beziehungen sein kannst, hängt davon ab wie intim und nah du mit dir selbst sein kannst.“ zutiefst berührte.

Jetzt sitze ich hier an meinem Schreibtisch, hinter mir liegt das Chaos der letzten Monate und der kommenden, weil ich schon wieder umziehe. Wie so oft während meines Lebens mache ich mich wieder auf die Socken, reise an einen unbekannten Ort, der zwar nur wenige Kilometer von mir entfernt und sogar in der selben Stadt liegt und trotzdem viel Unbekanntes für mich birgt. Ich weiß, dass ich auch hierbleiben könnte, denn wegrennen kann ich nicht. Trotz der Reisen, der Tatsache, dass ich jedes Jahr neue Menschen und mich selbst auch immer und immer wieder neu kennenlerne, gelingt es nicht, diesen Menschen mit dem so viele Jahre meines Lebens verbracht habe, hinter mir zu lassen.

Da sind Gedanken, die mir immer wieder sehr nahekommen. Mich aus der Balance bringen oder hinein in ein bestätigendes Selbstgefühl. Gefühle, die ich nur allzu gut kenne und dennoch genau jetzt fühle. Worte von anderen, die etwas in mir triggern und mich so manches Mal innerlich in die Flucht schlagen oder Emotionen auslösen. Ich bin in Beziehung dazu. Die Frage ist, ob ich auch das Unbequeme zulassen oder ihm lieber aus dem Weg gehen möchte? Ob ich mit tiefer Freude und Liebe sein kann oder es gar nicht aushalten wage?

Wie nah kann ich mir selbst sein? Mit all den wirren Gedanken, den Schatten und Ängsten? Mit der tiefen Liebe und den Gefühlen, die meinen ganzen Körper ausfüllen? Wann sind die Punkte an denen ich Reißaus nehme & ausbrechen möchte aus diesem meinen Leben? Und wann hingegen kann ich mir selbst nah sein, mich ansehen und auch die Augen im Spiegel anblicken, die Ekel oder Traurigkeit ausstrahlen?

Ich nehme einen tiefen Atemzug und spüre, dass genau hier ein Geheimnis verborgen liegt. Im Atmen und mit dem zu sein, was gerade da ist. Vermutlich bin ich vieles von all dem gar nicht und doch schwirrt es herum zwischen all den Realitäten und Fantasien des Daseins. Im Atmen komme ich mir selbst am nächsten. Spüre diesen Körper. Das gefühlte Innenleben. Ein anderer Dialog beginnt. Er fühlt sich ehrlicher an, als der des Wegrennens und sich-selbst-woanders-Suchen.

Ein paar ehrliche Gesprächsfetzen dieses Dialogs könnten sein:

Hallo du! Ich mag dein Chaos gerade gar nicht. Schau dich doch um wie es in deinem Zimmer aussieht. Wie willst du jemals aus all diesem Mist herauskommen? Warum brauchst du überhaupt so viel?

Atme,atme Christina. Schritt für Schritt. Fühl deinen Ärger über all dein Zeug. Ist ok. Freu dich auf den Moment, wo dich der Flow überkommt und du dem Chaos mit aller Leichtigkeit begegnest. Bis dahin, genieß das unüberbrückbare Chaos. Du warst lange nicht mehr unordentlich. Rege dich weiter auf. Ist ok.

 

Puh, ich liege hier auf einer Wiese und spüre Panik aufsteigen. Alle Menschen liegen zusammen. Ich bin die einzige Person auf der Welt, die gerade ganz alleine im Park ist. Und das ist mal wieder typisch. Was kannst du den anderen auch schon bieten?

Atme, wieder. Wie fühlt sich das jetzt gerade an? Wie fühlt es sich an diese Menschen zu beobachten? Die Mutter mit ihrem Kinderwagen. Der Mann mit dem nackten Oberkörper neben dir (schau mal, er ist auch alleine!). Das verliebte Pärchen unter dem Baum. Guck sie dir an. Fühl hinein. Sei traurig. Sei wütend. Aber sei in Kontakt damit. Nichts hinunterschlucken, wegdrücken, wegatmen oder wegessen. Spüre. Fühle. Fühle….

 

Hilfe, hilfe, ich flippe aus. Nächste Woche muss ich beginnen aufzuschreiben, worüber ich nächstes Jahr 150 Seiten schreiben muss. Ich liebe schreiben aber ich will da nicht hineingepresst werden. Ich will über alles schreiben und zugleich interessiert mich gar nichts.

Ok Christina, lass dich durchschütteln von dieser ganzen Thesis für deine Uni. Lass dich hineinfallen. Und beginne am besten gleich damit. Lass dich nicht wegziehen von der Panik oder dem schwarzen riesen Monster, das du denkst besiegen zu müssen. Gehe damit. Gehe mit dir.

So oder so ähnlich sind die Beziehungsgespräche mit mir selbst. Dazwischen laufen oftmals noch andere Schritte ab. In denen ich panike. Versuche mir selbst zu entkommen (das Internet, dieses ständige Beschäftigt sein und vieles andere bietet ja perfekte Gelegenheiten dazu an in unserer Gesellschaft). Mich hinter einer Strahle-Maske verstecke. Und mir gleichzeitig stelle die Frage stelle, spätestens, wenn ich abends zu Bett gehe, wo hast du dich heute schon wieder herumgetrieben?

Ja, wo habe ich mich schon wieder herumgetrieben?

Im Hintergrund läuft gerade North (von Sleeping Last).  Die Lyrics „Though the storms will push and pull we will call this place our home “lassen mich noch einmal mehr tief spüren, dass ich mit mir selbst in Beziehung durch dieses Leben ziehen will. Hier bin ich zuhause.

„ A little broken, a little new“ mache ich mich wieder auf den Weg. Mit mir, in Beziehung und mit offenen Herzen. Das auch immer wieder zugehen darf.

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