Ein Liebesbrief

Liebes erstes Semester,

wie ein Rollercaster bist Du an mir vorbeigeflogen. Und immer noch fühle ich mich am Fliegen. Befinde mich plötzlich im Zug nach Leipzig. Für ein paar Tage nach Hause bevor es wieder weitergeht. Gefühlt hast Du mich noch nicht landen lassen.

Ich lese die Schlagzeilen in der Zeitung. Die neuen Perspektiven, die ich dank Dir gewinnen konnte, machen all die Worte der Medien noch seltsamer. Wie ein Spiel kommt sie mir plötzlich vor diese Welt.

Frieden zu machen, zu bilden, zu halten…Alles Illusion! habe ich von Dir erfahren. Es ist möglich Situationen zu verändern. Sich verändern zu lassen von den Erfahrungen und Begegnungen. Doch diese Veränderung kann nicht von einfach von außen gemacht werden.

Du hast mir gezeigt, dass Frieden nichts Statisches ist. So wie ich mich letzte Woche Tag für Tag durch die 5 Rhythmen bewegt habe, kann vielleicht nur die Bereitschaft zur Bewegung anderes bringen. Ob es besser wird, weiß ich nicht. Wissen wir nie.

Liebes Semester, Du hast keinen Plan für mich bereitgehalten. Mich stattdessen jede Sekunde aufgefordert mich selbst zu hinterfragen, tief zu graben und nicht locker zu lassen. Mich immer wieder zu hineinzuwerfen mit all den Unsicherheiten, Fragen und Ängsten. Vielleicht lässt Du so manchen denken, dass ich mich egoistisch um mich selbst kreise. Ja und vermutlich hast Du mich das auch machen lassen. Doch dabei hast Du mich gestärkt. Für neue Herausforderungen. Konflikte. Projekte. Spannungen.  Mich selbst als Instrument zu sehen. Als Menschliches.

Ich komme mit keinem festen Plan aus Dir heraus. Bin nicht die Besserwissende. Als Ahnungslose schickst Du mich ins Leben. Doch in dieser Ahnungslosigkeit sitzt das Vertrauen, dass ihr Streitenden eure Wünsche und Sehnsüchte mit euch tragt. Die Ängste und Masken, die euch schützen, resignieren oder frustriert zurückgelassen haben, sind die Schlüssel für Neues.

Ja der beste Masterplan von Di­r, du liebem aber auch stressvoll, ermüdenden und immer und immer wieder an meine Tür klopfendem Semester, sind all die Erfahrungen, die mich durch die Begegnung mit Dir geprägt haben. Sie prägen mich weiter und insofern verlasse ich Dich nicht.

Ich werde mich an Dich erinnern.  Die schneeweißen Berge. Die weichen Umarmungen all derer, die mit Dir gegangen sind. Die Herausforderungen des nie Alleinseins. Die Unsicherheiten. Traurigkeit. Freude. Das Chaos der Gruppe. Liebe. Tanzen. Stillstehen. Frustriert sein. Über-reflektiert. Und jetzt irgendwie anders in diese Welt zu gucken.

Da wir uns nie verlassen werden, ist dies wohl eher ein Liebesbrief. Ein Liebesbrief mit einem großen fetten DANKE.

Trotzdem vermisse ich dich. Wenn ich durch den großen Bahnhof laufe. All die Menschen mich nicht anblicken. Und ich sie nicht. Ich die Erwartungen an mich spüre jetzt mit all dem, was ich mit Dir erlebt habe, etwas richtig Cooles zu machen. Zum Beispiel die Welt auf unseren Schultern tragen :-).

In wenigen Wochen werde ich mein erstes Date mit dem 2. Semester haben. Erstmal 3 Monate online. Dann wieder in Innsbruck. Ich bin mir sicher, Du wirst einfach mit dabei sein. Über den Verstand hinaus, so wie Du es mir die letzten Monate gelehrt hast, verknüpfen wir alles wieder neu. Wieder darf ich mit Dir in die Unsicherheit tanzen. Ich freue mich und die Neugierde kitzelt jetzt schon in meinen Fingern.

Danke du gutes Ding, ich bin stolz auf uns,

Christina

PS: An alle Mitleser: Ich werde weiter von dieser besonderen Freundschaft berichten, mal sehen ob auch die kommende Online-Phase was spannendes bringt…

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