In Mission

SQD 1 is to … IOT FF

Was wie eine Geheimsprache klingt, ist wohl Teil meines neuen Vokabulars für nächste Woche. Unsere mitgeteilte Erwartung klare Informationen und Gründe für Aufgaben in unserer Feldmission zu bekommen, wurde von dem leitenden Oberstleutnant des österreichischen Bundesheers mit eben diesen Worten begegnet: SQD 1 is to … IOT FF about…

Was übersetzt bedeutet: Squad 1 is to … in order to find facts about…

Für unseren zivilen Einsatz in der Bundesheermission bzw. im Rollenspiel dieses Einsatzes ab nächster Woche befinde ich mich im Squad 1, so wird unsere Gruppe genannt. Wir bekommen Aufträge zu einem bestimmen Ort zu gehen, um Fakten (FF=Finding Facts) zu einem bestimmten Problem herauszufinden. Wie, das ist unsere Sache.

Wer nun immer noch nicht ganz versteht, was ich hier beschrieben habe, der versteht mich aus vollem Herzen. Denn auch ich habe noch keine genaue Ahnung, bin etwas überfordert von dieser „neuen“ Sprache, den Abkürzungen und Aufgaben, die jetzt auf uns zukommen.

Seit einer Woche befinden wir uns im „Feldeinsatz“. Zunächst war dies 2 Tage lang in einer Rettungshütte mit dem Roten Kreuz. Nach einem Crashkurs in erster Hilfe konnten wir am 2. Tag in kleinen simulierten Situationen im Wald, Holz-Arbeitsplatz und im Wohnhaus unsere bisherigen Fähigkeiten erproben, die Leitung und Koordination übernehmen und das Ganze dann zusammen mit Mitarbeitern des Roten Kreuzes reflektieren. Am Nachmittag war dann ein großer Überraschungseinsatz im weitläufigen Gelände der Tiroler Nordkette angesagt. Mit schwer verletzten und unterkühlten Opfern (natürlich Schauspieler), Rettungsliegen, Funkgeräten und rote Kreuz-Rucksäcken waren wir über 2 Stunden beschäftigt, um in diese, für mich sehr neue Welt, einzutauchen. Vor allem der Schnee, die steilen Abhänge und das Arbeiten in Squads waren für mich neue Herausforderungen. Ich konnte lernen und erkennen wie wichtig die Planung, Verteilung von Aufgaben und das gute Zusammenarbeiten innerhalb eines riesigen Teams ist. Dabei steht nicht immer das sofortige Retten und Helfen im Vordergrund, sondern auch vielmehr die eigene Sicherheit und eine klare Absprache bevor überhaupt irgendeine Aktion an den Verletzten vorgenommen wird. Ansonsten endet es im Chaos. Deswegen waren wir auch über Funkgeräte verbunden, es gab ein Headquarter mit 3 Leistungskräften, eine Art Versorgungsstation, wo wir alle Verletzten hin transportierten (über steile rutschige Hänge) und immer Begleitung von professionell ausgebildeten Rote Kreuz- Sanitätern.

Am Ende wurde die ganze Aktion unter verschiedenen Perspektiven (logistisch, medizinisch, kommunikations-technisch etc.) reflektiert.

Höhepunkt dieses Einsatzes war für mich auch meine erste Nacht im Freien im Winter. Gemeinsam mit 2 anderen Studierenden hatte ich mir ein „Lager“ im Schnee errichtet und eine mondhelle aber auch erholsame Nacht im Freien verbracht. Nur am Morgen war es dann etwas kalt.

Dann ging es wieder zurück zum Grillhof, wo wir die letzten Tage Vorlesungen zu Quantenphysik/Bewusstsein und Frieden hatten, gefolgt von vorbereitende Vorlesungen für nächste Woche inklusive einem Tag mit Team-Building-Übungen. Die Themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn ist ein Leitfaktor unserer Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe. Was das heißt? Aus der Ich-Perspektive sprechen, wichtigen privaten Störungen Vorrang geben, Generalisierungen vermeiden, Glaubenssätze (Ich bin nicht gut genug, Denk doch mal logisch Alle Amerikaner sind so…usw) zu enttarnen und nur eine Person sprechen zu lassen.

 

Seit Donnerstag Abend bin ich in meinem Squad eingeteilt, geleitet von Studierenden aus dem höheren Semester. Wir sind ein internationales Team, kommen aus Spanien, Kanada, Dänemark, Österreich, Deutschland und Norwegen. Wir haben uns unsere Ängste, Schwächen, Stärken und Wahrnehmungen mitgeteilt, um für die Nähe nächste Woche vorbereitet zu sein. Denn wir werden 24h aufeinander „sitzen“, in der gleichen Baracke schlafen, von einem Armee-Trainer 2,5 Tage vorbereitet werden bevor wir für genauso lange Zeit für unsere Mission unterwegs sein werden. Irgendwo draußen auf ca. 2000m Höhe. Wieder gibt es ein Headquarter, der diesmal aber aus ca. 15 Studierenden besteht. Außerdem gibt es noch 4 andere Squads und ca. 100 Leute aus dem Bundesheer, die mit in die ganze Aktion involviert sind. Auch 6 Alumni sind dabei und haben das ganze Rollenspiel mitgeplant. Was genau „die“ Mission mit sich bringt und heissen mag? Ich weiß es nicht genau…doch werde es bald erleben.

Um das ganze möglichst real zu erleben und uns dabei kennenzulernen ist das Ganze eine Einladung uns möglichst mit all unseren Ängsten, Gefühlen und Energie auf diese Woche einzulassen. Das Spiel Wirklichkeit werden zu lassen. Jeder von uns hat eine rote Karte, um sich auszuklinken, wenn wir uns einer Aufgabe nicht gewachsen fühlen.

Es ist spannend und zugleich beängstigend sich in einer Gruppe so geöffnet zu haben, bevor wir bald richtig eng zusammenarbeiten werden. Ich bin noch ein bisschen überfordert und voller Spannung, was jetzt wohl kommen mag. Schon seit Tagen drehen sich die Gespräche um die Mission, die Zeit draußen, Kälte, Schnee und wenig Schlaf.

Wieder erinnere ich mich an den Satz „Nicht wir machen die Erfahrungen, die Erfahrungen machen uns“. In diesem Sinne bin ich gespannt wie ich weiter geformt werde und wie sich das anfühlt. Morgen machen wir uns auf, 40 Leute mit vielen, vielen Rucksäcke, Nerven-Schokolade und jeder Menge unterschiedlichster Gefühle im Gepäck.

Advertisements

Ein Gedanke zu “In Mission

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s