Von Vorfreude, Vorausschau und Giraffenherzen

„Maybe the best Peace Studies Program in the world, certainly the toughest! “

„You will not have time to take German classes. If you are lucky, you might have time to sleep. “

„You’ve officially signed up for a holiday-free year and a half, congratulations! You’ve now gone past the point of no return, „you can never leave“ (true story) “

„…- yes most likely, will you be fucked up the 2 weeks official holiday we will have – yes that’s also true. BUT..“

 BUT!

(see the Englisch Version here)

Morgen beginnt sie für mich so richtig offiziell: Die Präsenzphase meines Masterstudiengangs Peace, Security,Development and International Conflict Transformation in Innsbruck. Die letzten 3 Monate habe ich mich online durchgekämpft, meine Mitstudierenden aus der ganzen Welt über Texte, Essays und kleinen Fotos hinter ihren Beiträgen kennengelernt. Viele Fragen tauchten auf, irgendwo auch bereits ein Gefühl der Gemeinschaft und zugleich der immer dringend werdende Wunsch alle mit Haut und Haar kennenzulernen.

Ich möchte das BUT entdecken, das vielleicht viele meiner Fragen beantworten kann. Mit dem obersten Zitat wirbt die Innsbrucker Schule der Peace Studies für sich, die anderen Sätze tauchten als Antworten auf die Fragen der Neuankömmlinge in unserer Online-Plattform auf.

Was macht dieses Programm so tough, intensiv und führt zu der Aussage dass ich glücklich sein kann, Zeit für Schlaf zu bekommen?

Bisher weiss ich es nicht. Ich weiss, dass ich die nächsten 2 Monate über der Innsbrucker Skispring-Schanze im Grillhof zusammen mit allen anderen Peace Studies Studierenden wohne , wir Exkursionen machen für die ich eine lange Liste mit Equipment bekommen habe, ich wieder in Englisch kommunizieren und wenig freie Zeit haben werde.

Dieses Studium fühlt sich so neu und dennoch so unglaublich anziehend für mich an, auch wenn ich bisher nur stückchenweise eingetaucht bin.

Nachdem mein Bachelor (Theaterpädagogik) dem Ende zulief verspürte ich den Drang unbedingt weiter zu studieren, dem Wunsch folgend tiefer in Forschung und Wissenschaft aber auch ein angewandtes Feld eintauchen zu können. Bei all meinen Master-Bewerbungen spürte ich jedoch keine richtige Begeisterung, war etwas unentschlossen und verwirrt, ob mich diese Bereiche wirklich interessieren.  

Wer bin ich? Was kann ich gut? Wo sehe ich mich in 10 Jahren? Diese und andere Fragen zeigten mir, dass da Feuer brennt aber ich noch nicht weiß wie ich es anzünden kann.  Da stolperte ich Ende Juni über das Youtube Video Masters of Peace. Sehr zufällig, um 23 Uhr abends wurde es auf der seitlichen Youtube- Vorschlagsleiste angezeigt.

Vom ersten Moment an war ich gefangen und verliebte mich in die Worte, Landschaft und Menschen, die da sprachen. Trotzdem sich eine Bewerbung für mich völlig aus der Luft gegriffen anfühlte, da ich bis auf Israel ja noch nie wirklich in einem Krisengebiet oder Krieg gewesen war und sich auch mein politisches Engagement in Grenzen hält, befand ich mich plötzlich auf der Homepage der Innsbrucker Universität.  Der Film, wie auch die Homepage verstärkten das Gefühl, dass hier ein Platz für die Erforschung der Integration von Politik, Philosophie, Spiritualität und Platz für Persönlichkeit möglich sei. In dem Film zogen die Studierenden mit dem österreichischen Bundesheer, dem Schamanen und dem roten Kreuz ins Feld, um die vielen Frieden, die es auf dieser Welt gibt, zu entdecken. In Innsbruck gilt die Suche nach den vielen Frieden. Denn es gibt so viele Vorstellungen von Frieden wie es Menschen gibt. Doch wann habe ich mir Gedanken über Frieden gemacht? Wie sieht er aus in mir? Wie gestaltet er sich im Außen? Ist Frieden die Abwesenheit von Krieg? Oder völlig unabhängig davon? Wie kann er geschaffen werden?

Die Vorstellung in diesem Programm zu studieren, ließ mich lebendig werden, mein Herz laut pochen und so organisierte ich nach einer Woche zweifelndem Nichtstun schnell meine Bewerbungsunterlagen, schrieb mein erstes englisches Bewerbungsessay nachts im Flow und telefonierte nach Innsbruck. Ich solle mich schnell bewerben, da nächste Woche entschieden werde.

So landete mein Brief am 17.Juli, nachdem ich von allen anderen Masterbewerbungen Absagen bekommen, mein WG-Zimmer gekündigt und keine anderen Pläne für die Zukunft hatte, in der Post. Ich verstaute mein Hab und Gut in einer Lagerbox in Bremen und fuhr erst mal für 3 Wochen nach Italien und Kroatien.

Als dann Anfang August die Zusage in meinem Emailpostfach eintrudelte, freute ich mich so sehr ganz und richtig.

Von Mitte September an studierte ich jetzt auf der Onlineplattform Olat mit den Studierenden der 1.-3. Semester des Programms. Sie kommen aus Afghanistan, Usbekistan, USA, Dänemark, Kanada, Kolumbien, Ruanda, Nigeria, Nepal, Schweiz, Türkei und Mazedonien und vielen anderen Ländern. Meine Mentorin der  Onlinephase lehrt in San Fransisco und unterstützte mich fabelhaft durch ihr Feedback auf meine Essays.

Das Onlineseminar war geprägt vom Lesen langer Texte, Diskussionen auf der virtuellen Plattform, dem Schreiben von Aufsätzen und der intensiven Erforschung von Bedeutungen und verschiedensten Bereichen (Muttersprache, Kultur, Spiritualität, Politik )von „Power“. Darauf bauten auch meine zahlreichen Essays und meine 30seitige Abschlussarbeit des Onlineseminars auf. 

Trotzdem alles so ungewöhnlicherweise in mein Leben hineinstolperte, wurde mir diese Richtung lustigerweise bereits vor 4 Jahren „vorhergesagt“. An meinem 23. Geburtstag bat ich ein paar meiner Freundinnen einen möglichen Lebenslauf für mich zu schreiben oder einen „magischen“ wie der Tigerenten-Erfinder Janosch ihn nennt. Der Lebenslauff war geprägt von meiner Entscheidung nach meinem Bachelor Friedens- und Konfliktforschung zu studieren, weil ich meine Stärke als Mediatorin erkannt hatte. Danach würde ich in Unternehmen Konfliktarbeit machen, nach einen Burnout nach Tibet auswandern, um dort bei einem Friedensprojekt mitzuwirken und später ein Theater-Friedenszentrum in Deutschland eröffnen. Über diese Arbeit werde ich auch Bücher schreiben und meinen späteren Mann an der Grenze zu Indien kennenlernen. Mal sehen wieviel sich von diesem magischen Lebenslauf als wahr erpuppen wird :-). Es war auf jeden Fall schon erstaunlich für mich, dass ich nun in diese Richtung gehe,obwohl sie sich erst seit 7 Monaten als eine reale Option für mich entwickelt hat.

Morgen beginnt endlich das Eintauchen mit Haut und Haar. Nicht nur mit meinem Kopf oder meinen Gedanken, die ich mir über meine Mitstudierenden durch das Lesen ihrer Essays gemacht habe.  Ich bin gespannt auf die Peace-Family mit ihren Giraffenherzen, wie sie der Direktor des Peace-Programms seine ehemaligen und momentanen Studierenden liebevoll in seiner Begrüßung auf der Olat-Plattform genannt hatte. 

Ich werde hier über meine Erfahrungen und Begegnungen berichten, den vielen Frieden Raum geben und eigene Fragen aufwerfen. Jetzt geht es nach Tirol und ich bin schon ganz schön aufgeregt.

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Veröffentlicht in Peace

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